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Techkollektiv Autistici/Inventati muss wegen Trump Betrieb einstellen

Worum geht es:

Autistici / Inventati (A/I) (Wikipedia) war eine Gruppe, die vor allem linken Aktivisten Mailkonten, Webhosting, Blogs (noblogs.org) usw. bereitgestellt hat. A/I wurde ungerechtfertigt im August 2026 von der US-Regierung als Terrororganisation eingestuft, und als Folge wurden unter anderem das Bank- und Paypalkonto und mehrere Domains gesperrt. A/I hat deswegen am 18.09.2026 notgedrungen den Betrieb eingestellt.

Warum ist das ein Problem, wen betrifft das?

Es betrifft letztlich uns alle, unsere Demokratie. Das Problem ist, dass eine Regierung (hier die Trump-Administration) Organisationen/Strukturen angreift bzw. zerstört. Willkürlich, ohne legale Grundlage, außerhalb der USA. Im aktuellen Fall hier von A/I eine Vereinigung aus Italien. (In einem anderen Fall u.a. ein Verein aus Deutschland, die Rote Hilfe e.V. Hintergründe zu diesem sogenannten debanking siehe z.B. freiheitsrechte.org,  verfassungsblog.de, debankingstoppen.de).

Wie von autoritären Kräften (Trump, AfD, …) bekannt, sind es zunächst kleinere Orgas/Strukturen die bekämpft werden. Demnächst sind es größere. Die perfide Strategie ist ein langsames Aushöhlen und ein Gewöhnungs-/Abschreckungseffekt (engl. chilling effect).

Presseberichte:

“Autistici / Inventati: Es ist immer noch viel zu still. Anne Roth hat vor 19 Jahren ein Blog bei NoBlogs.org gestartet. Jetzt hat die unkommerzielle Plattform dicht gemacht, weil die USA das dahinter stehende Tech-Kollektiv als Terrorismus eingestuft haben. Die USA greifen damit direkt und ohne jedes Verfahren die Meinungs- und Internetfreiheit in anderen Ländern an.” netzpolitik.org (28.09.2026)

"Nach Druck aus den USA stellt das Tech-Kollektiv Autistici/Inventati seinen Dienst ein. Damit verschwindet auch der Blog unserer Autorin." taz.de (20.09.2026)

"Von den USA zu Terroristen erklärt: Italienisches Hackerkollektiv A/I gibt auf" heise.de (08.09.2026)

“Keine zwei Wochen, nachdem die US-Regierung das italienische Internetkollektiv Autistici/Inventati zur Terrorgefahr erklärt hatte, drehen die Aktivist:innen ihre kostenlosen Online-Dienste ab. Nutzer:innen sollten rasch handeln und ihre Daten sichern.” netzpolitik.org (07.09.2026)

“Das linke Tech-Kollektiv aus Italien, dessen Infrastruktur auch linke Gruppen in Deutschland nutzen, schmeißt hin. Der Druck der US-Behörden war zu groß.” taz.de (07.09.2026)

“Das linke italienische Tech-Kollektiv gibt auf. Die US-Repressalien erweisen sich als zu massiv und die Politik leistete keine Unterstützung.” nd-aktuell.de (07.09.2026)

“Die Trump-Regierung wirft dem italienischen Internetkollektiv Autistici/Inventati die Unterstützung von Terrorismus vor. Auf die pauschal verhängten Sanktionen gegen die antifaschistische Gruppe folgt neben einer Solidaritätswelle die Frage: Wer ist als nächstes dran?” netzpolitik.org (04.09.2026)

Reaktionen:

Artikel von Anke Domscheit-Berg (Publizistin und Netzaktivistin, ehemaliges Mitglied im Ausschuss für Digitales im Deutschen Bundestag für Die Linke) auf behoerden-spiegel.de (Mastodon) vom 29.09.2026:

  • "Die Trump-Regierung attackierte ohne rechtsstaatlichen Prozess eine zivilgesellschaftliche Technik-Initiative und zwang sie zur Aufgabe. Tausende Mailboxen, Websites und Blogs gehen offline – in ganz Europa. Was braucht es, damit Bürgerinnen und Bürger digital unabhängig werden können und einen verlässlichen Zugang zu digitalen Diensten erhalten, die vor derartigen Angriffen sicher sind?"
  • "Die Dienste der Autistici wurden auch von linken und antifaschistischen Gruppen genutzt – offenbar reichte das, um sie ohne Gerichtsurteil, ohne konkrete Vorwürfe, ohne jeglichen rechtsstaatlichen Prozess zu Terrorunterstützern zu erklären. (...) Institutionelle Reaktionen sind dringend erforderlich. (...) 16.000 Mail-Konten, 1.500 Internet-Seiten, 5.500 Mailing-Listen und etwa 20.000 Blogs, die das Kollektiv gehostet hatte, sind offline (...)"
  • “Nun wurden Nutzer nicht nur ausgesperrt, sondern die Daten der Blogs von noblogs.org abgezogen und als „TrumpBlogs“ öffentlich durchsuchbar zugänglich gemacht, inklusive grafischer Darstellungen von Netzwerken, alles nach 14 Kategorien sortiert, darunter „Migranten-Solidarität“ (z. B. Seebrücke-Unterstützergruppen), „militant queer und feministisch“, „militant ökologisch“ oder auch „arbeitsmilitant“ – wo sich zum Beispiel das Soli-Bündnis Care-Arbeit aus Kassel findet. In der Rubrik „Erinnerung an historischen Widerstand“ finden sich Initiativen zu KZ-Gedenkorten wie dem ehemaligen KZ Uckermark oder zur Erinnerung an die chilenische Militärdiktatur.”
    • [Anmerkung: Informationen zum Thema “TrumpBlogs” finden sich im englischsprachigen Wikipedia-Artikel zu Autistici/Inventati im Abschnitt "Data breach and mapping of NoBlogs (2026)" unter Bezugnahme auf einen Artikel in der italienischen Zeitung Il Manifesto vom 02.09.2026 en.wikipedia.org.]
  • [Anmerkung: “Der Behörden Spiegel ist mit einer Druckauflage von 101.000 Exemplaren monatlich, die auflagenstärkste unabhängige Zeitung für den Öffentlichen Dienst in Deutschland.” behoerden-spiegel.de]

Beiträge von Anne Roth (Referentin Digitalpolitik der Fraktion Die Linke (Wikipedia)):

  • "Es gibt zu wenig Sicherheitsmechanismen gegen solche Angriffe", sagt Digitalexpertin Anne Roth im Gespräch mit Radio Dreyeckland, Audio, 11 Minuten: rdl.de / Mastodon (28.09.2026)

  • "Es kostet Überwindung, sich angesichts von Terrorismusvorwürfen an die Seite der Betroffenen zu stellen. Ich weiß das. Die „Chilling Effects“, also das Schweigen und der Rückzug der vielen anderen, die sich gut überlegen, ob sie sich weiter sichtbar kritisch äußern, ist ein Ziel solcher Vorwürfe gegen politisch Andersdenkende. Wen Trump meint, ist offensichtlich: Linke, Antifaschist*innen, LGBTIQ, Feminist*innen und noch viele andere." Mastodon (20.09.2026)
  • ‘When authoritarian governments attack non-commercial, independent digital communication infrastructure like in this case, we can’t underestimate the impact. This time it was Italy, but next time might be closer to you. It is still much too quiet.‘ internet.exchangepoint.tech / Mastodon (17.09.2026)
  • Podcast Breitband vom 12.09.2026 (Audio, von Minute 17-25, darin u.a. auch Thomas Lohninger von Epicenter Works)
  • „(…) Gut wäre, wenn ein Teil dieser Sorgen darauf gerichtet wäre, dass die US-Regierung linke (Tech-) Infrastruktur zerstört, schon jetzt. Heute in Italien, morgen hier. Und wenn sich deutlich mehr Menschen, bekannte wie unbekannte, und NGOs, Organisationen, Vereine, die digitale wie nicht-digitale Zivilgesellschaft dazu äußern würden.“ Posting von Anne Roth auf Mastodon (09.09.2026)

Kommentar von Aline Blankertz (Wirtschaftswissenschaftlerin mit Schwerpunkt Technologie und umfassender Erfahrung im Bereich der Digitalpolitik): “I am so glad about the efforts to preserve the noblogs contents on nublogs.org (previoussite.nublogs.org). But it is also important to recognise that essentially all larger NGOs I spoke to (can't name names) said they stay silent on A/I because a) their US colleagues would not allow them to speak up b) they are concerned about their funding (Article 19 was a welcome exception). NGOs are not my favourite driver of societal change, but most are also unwilling to be a bulwark against fascism.” Mastodon (20.09.2026)

Posting von A/I auf Mastodon “A/I stops here. Stay human. Don't mourn, organize! May 10, 100, 1000 autonomous servers spark up! ” Für künftige Infos zu A/I wird verwiesen auf keepitfree.ai. (18.09.2026)

Der Podcast Logbuch Netzpolitik bespricht in der Folge “LNP559 Nur die Liebe zählt” den Fall A/I: logbuch-netzpolitik.de. Dort auch weitere Infos in den Shownotes. (13.09.2026)

Erklärung von Sonja Lemke (MdB, Die Linke): "Der Fall erinnert an die Angriffe auf HateAid, auf die Rote Hilfe, auf den Internationalen Strafgerichtshof. Und es wird nicht der letzte sein. Hier geht es auch um digitale Infrastruktur. Wer von europäischer Digitaler Souveränität redet, muss jetzt handeln und die Zivilgesellschaft und demokratische Strukturen verteidigen. Ich bin entsetzt, dass diese Einordnung durch die US-Regierung einer Organisation der digitalen Zivilgesellschaft als ,terroristisch' einen solchen Schaden anrichtet. Eine von BigTech unabhängige und nicht kommerzielle digitale Infrastruktur ist zentral für den Erhalt der Meinungsfreiheit und damit unserer Demokratie. Wir müssen sie jetzt verteidigen, wo sie noch existiert und aufbauen, wo wir sie brauchen." sonja-lemke.de /  Mastodon (08.09.2026)

Beitrag von Rote Hilfe e.V.: “Seit 25 Jahren stellt Autistici/Inventati freie digitale Infrastruktur für soziale Bewegungen, Initiativen und Einzelpersonen bereit. Nun drohen US-Sanktionen diese Arbeit unmöglich zu machen. Wer unabhängige Infrastruktur trifft, trifft uns alle. Wir stehen zusammen. (…)” rote-hilfe.de / Mastodon (08.09.2026)

Parlamentarische Anfrage von Martin Günther, Fraktion Die Linke im Europäischen Parlament - GUE/NGL. „Extraterritoriale Auswirkungen der Einstufung der Gruppe „Autistici/Inventati“ als terroristische Vereinigung durch die USA“ europarl.europa.eu (07.09.2026)

30 zivilgesellschaftliche Organisationen – darunter der Chaos Computer Club, haben sich in einem Aufruf der NGO European Digital Rights mit Autistici/Inventati solidarisiert: edri.org (englisch, 03.09.2026)

„Brando Benifei von der Demokratischen Partei kündigte an, er werde die Angelegenheit der Europäischen Kommission vorlegen, um zu beantragen, dass A/I unter den Schutz des Digital Services Act gestellt werde.“ Quelle: wikipedia.org mit Verweis auf editorialedomani.it (28.08.2026)

Was kann man nun tun?

Solidarisch sein, zusammenhalten. Die von Repression getroffenen Orgas, Vereine usw. unterstützen, Mitglied werden, spenden. 

Widerstandsfähige (neudeutsch resiliente) Strukturen aufbauen. Z.B. dezentrale unabhängige Plattformen nutzen wie das Fediverse mit Mastodon. Mache dich unabhängig von Bigtech. Kennst du schon den Digital Independence Day #diday? Auf di.day/de gibt es Anleitungen dazu. Zitat von der Webseite: “Unser digitales Leben befindet sich in der Hand weniger Überreicher. Mit der Monopolstellung ihrer Unternehmen bestimmen Menschen wie Elon Musk, Jeff Bezos oder Mark Zuckerberg weltweit, wie wir uns online informieren, wie wir diskutieren, kommunizieren oder handeln. Einen solchen unkontrollierten Einfluss sollte kein Mensch und kein Unternehmen besitzen, weil wir dann nicht mehr in Freiheit leben können. Die gute Nachricht: Diese Macht geben wir ihnen derzeit, und wir können sie ihnen auch wieder nehmen!”

Wähle eine Partei, die das Thema ernst nimmt und glaubwürdig versucht, etwas zu unternehmen. Zum Beispiel Die Linke. Infos findest du z.B. auf der Themenseite der Linken zu Digitalisierung. By the way: 2027 sind Landtagswahlen in NRW. Das Thema Netzpolitik wird im neuen Wahlprogramm (befindet sich aktuell in der Abstimmung) eine wichtige Rolle spielen. Infos zur Linken NRW auf dielinke-nrw.de.

Engagiere dich. Zum Beispiel in unserer Landesarbeitsgemeinschaft Netzpolitik. Komm zu einem unserer Treffen. Monatlich online und vor Ort in NRW. :-)

Dieser Text ist lizensiert unter CC BY-SA 4.0

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